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    Krafttraining ab 60: Was sich wirklich verändert

    ·7 Min. Lesezeit

    Ein reifer grüner Zweig biegt sich unter einem kompakten dunklen Gewicht, während an beiden Enden frische Blätter wachsen.

    Das chronologische Alter ist ein ungenauer Orientierungswert für den individuellen Trainingsbedarf. Die Muskelbiologie verändert sich zwar mit dem Alter, doch Trainingsvorgeschichte, Erkrankungen, Medikamente, Gelenkverträglichkeit und die neuere Aktivität prägen den Ausgangspunkt ebenso, mitunter sogar noch stärker. Ein trainierter 60-Jähriger kann über eine höhere Leistungsfähigkeit verfügen als ein inaktiver 30-Jähriger.

    Die zweckmäßige Frage lautet, welche Aspekte des Widerstandstrainings ab 60 weiterhin funktionieren und welche eine andere Dosierung erfordern.

    Kernerkenntnisse

    • Ältere Muskulatur kann auf die gleiche Widerstandsübung eine geringere Muskelproteinsynthese-Reaktion zeigen, sie reagiert jedoch weiterhin und kann an Kraft sowie magerer Muskelmasse gewinnen.
    • Ein internationaler Konsens empfiehlt für viele ältere Einsteiger einen Beginn bei etwa 30–40 % des Ein-Wiederholungs-Maximums und eine Progression auf 70–80 %, anstatt das Training dauerhaft leicht zu halten.
    • Derselbe Konsens sieht zu Beginn einen oder zwei Sätze vor mit einer Steigerung auf zwei oder drei Sätze, in der Regel an zwei oder drei Tagen pro Woche.
    • Das chronologische Alter bestimmt das Trainingsprogramm nicht allein. Gebrechlichkeit, Trainingserfahrung, Symptome und medizinische Vorerkrankungen verändern den Ausgangspunkt.

    Was sich im älteren Muskel verändert

    Die stärkste Variante des Alterungsarguments stammt aus einer Laborstudie aus dem Jahr 2009 im Journal of Physiology. Sie verglich 25 jüngere Männer im Alter von durchschnittlich 24 Jahren mit 25 älteren Männern im Alter von durchschnittlich 70 Jahren nach einem Bein-Widerstandstraining bei Belastungen von 20 % bis 90 % des Ein-Wiederholungs-Maximums.

    Die Muskelproteinsynthese stieg in beiden Gruppen mit der Belastung an und näherte sich zwischen 60 % und 90 % des Ein-Wiederholungs-Maximums einem Plateau. Die Reaktion fiel bei den älteren Männern geringer aus, ebenso wie Teile der Signalantwort, die die Proteinsynthese normalerweise aktiviert. Dies ist eines der Experimente, auf die der Begriff anabole Resistenz zurückgeht: Älterer Muskel benötigt häufig einen größeren Reiz, um dieselbe akute Antwort hervorzurufen.

    Das Studiendesign schränkt die Schlussfolgerung jedoch ein. Es wurden lediglich einige Stunden nach einer einzelnen Trainingseinheit bei nüchternen Männern Messungen vorgenommen, während die für die meisten Leser entscheidende Frage der Muskelzuwachs über ein gesamtes Trainingsprogramm hinweg ist. Die Studie belegt, dass das Alter die akute Dosis-Wirkungs-Kurve in dieser Stichprobe verändert hat. Die optimale langfristige Belastung und der Wert leichterer Sätze mit hohem Anstrengungsgrad bleiben davon getrennte Fragen.

    Was längerfristige Trainingsstudien zeigen

    Längerfristige Trainingsstudien vermitteln ein weniger dramatisches Bild. Eine Metaanalyse von 49 Widerstandstrainingsstudien fasste 1.328 Erwachsene im Alter von 50 Jahren und älter zusammen. Der durchschnittliche Zuwachs an magerer Körpermasse betrug 1,1 kg bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,9 bis 1,2 kg.

    Die gepoolte Schätzung ist zu pauschal, um ein individuelles Ergebnis vorherzusagen. Die Studien wiesen eine hohe Heterogenität auf, schlossen unterschiedliche Altersgruppen und Programme ein, und die Analyse kombinierte randomisierte sowie nicht-randomisierte Studiendesigns. Ältere Teilnehmer tendierten zu geringeren Zuwächsen, während Programme mit höherem Volumen mit größeren Zuwächsen assoziiert waren. Selbst mit dieser verringerten durchschnittlichen Reaktion blieb der gepoolte Zuwachs bedeutsam.

    Die Muskelkraft ist in der Regel das eindeutigere Ergebnis. Das Positionspapier der National Strength and Conditioning Association beschreibt Widerstandstraining als wirksame Intervention gegen altersbedingte Verluste von Kraft, Muskelmasse und körperlicher Selbstständigkeit. Die biologischen Mechanismen reagieren zwar weniger empfindlich, doch eine progressive Belastung gibt ihnen weiterhin Anlass zur Anpassung.

    Wie sich die Einstiegsdosis steigert

    Die derzeit konkreteste Empfehlung stammt aus dem Konsens der International Conference on Frailty and Sarcopenia Research. Seine allgemeine Übersicht empfiehlt Widerstandstraining an zwei oder drei Tagen pro Woche, beginnend mit ein oder zwei Sätzen und gesteigert auf zwei oder drei Sätze mit 8–12 Wiederholungen für die großen Muskelgruppen.

    Für die Belastung wird ein Beginn bei etwa 30–40 % des Ein-Wiederholungs-Maximums und eine Steigerung auf 70–80 % empfohlen. Schnellkrafttraining wird niedriger angesetzt, bei etwa 40–60 %, da das Ziel hier darin besteht, einen gut beherrschbaren Widerstand zügig zu bewegen. Die Arbeit empfiehlt zudem mindestens einen Ruhetag zwischen Einheiten, die dieselben Muskelgruppen beanspruchen.

    Diese Zahlen beschreiben einen schrittweisen Aufbau. Dieselbe Publikation betont, dass das Training individuell an den Gesundheits- und Funktionsstatus angepasst werden sollte. Eine gesunde Person mit zwanzig Jahren Langhantelerfahrung kann auf einem Niveau einsteigen, das durch diese Erfahrung gerechtfertigt ist. Jemand, der gebrechlich ist, mit den Bewegungsabläufen nicht vertraut ist oder nach einer Krankheit zurückkehrt, benötigt möglicherweise einen leichteren Einstieg und eine engere Betreuung.

    Drei Fragen bieten eine bessere Orientierung als das chronologische Alter allein:

    • Ist die Belastung fordernd genug, um eine Anpassung zu erfordern?
    • Ist die wöchentliche Dosis so gewählt, dass die Regeneration für eine regelmäßige Wiederholung ausreicht?
    • Ist die Übung für die aktuelle funktionelle Leistungsfähigkeit und die medizinischen Einschränkungen der Person geeignet?

    Die ergänzende Analyse zum Thema schwere Gewichte im Vergleich zum Trainingsvolumen ab 60 befasst sich direkt mit den ersten beiden Fragen.

    Was ein Vergleich zwischen 30 und 60 übersieht

    Das Alter erhöht die Wahrscheinlichkeit für Arthrose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Medikamenteneinnahme und frühere Verletzungen, wobei die Ausprägung zwischen einzelnen Personen sehr unterschiedlich ist. Zwei 60-Jährige können sich voneinander stärker unterscheiden als jeder von ihnen von einer gesunden 30-jährigen Person.

    Auch das Trainingsziel verändert das Programm. Die Maximalkraft spricht generell besser auf eine progressiv höhere Belastung an. Die Muskelmasse kann sich über ein breiteres Spektrum von Trainingsformen verbessern. Sturzprophylaxe erfordert zusätzlich Schnellkraft- und Gleichgewichtsübungen. Für den Erhalt der Selbstständigkeit ist ein Aufstehen vom Stuhl oder ein Step-up oft relevanter als eine weitere Isolationsübung.

    Aus diesem Grund kann das Kopieren des wöchentlichen Arbeitspensums eines jüngeren Athleten scheitern, während das Übernehmen der zugrundeliegenden Prinzipien funktioniert. Progressiver Widerstand, angemessener Einsatz, gezielte Übungsausführung und ausreichende Regeneration behalten ihre Gültigkeit. Die Übungsauswahl, die Einstiegsdosis und die Progressionsrate werden jedoch individueller.

    Sicherheitsgrenze. Neu auftretender Druck auf der Brust, Ohnmachtsanfälle, unerklärliche Atemnot, akute Verletzungen oder neurologische Symptome gehören nicht in eine altersbedingte Programmanpassung. Sie erfordern eine medizinische Abklärung. Personen mit instabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwerem, unkontrolliertem Bluthochdruck oder erheblichen Knochen- und Gelenkerkrankungen sollten einen passenden Einstiegspunkt gemeinsam mit einem qualifizierten Arzt oder Sportwissenschaftler festlegen.

    Fazit

    Ein 60-jähriger Körper sollte entsprechend dem tatsächlich vorhandenen körperlichen Zustand trainiert werden – mit progressivem Widerstand und einer sorgfältigen Berücksichtigung von Gesundheit, Erfahrung und Regeneration.

    Die Evidenz stützt bedeutsame Zuwächse an Kraft und magerer Muskelmasse nach dem 60. Lebensjahr. Sie stützt zudem einen niedrigeren Einstieg, falls erforderlich, sowie die Steigerung über dauerhaft leichtes Training hinaus. Der Geburtstag liefert Kontext; das gesamte Programm vorgeben kann er nicht.

    Literaturverzeichnis

    1. Kumar V, Selby A, Rankin D, et al. Age-related differences in the dose-response relationship of muscle protein synthesis to resistance exercise in young and old men. The Journal of Physiology. 2009;587(1):211–217. doi:10.1113/jphysiol.2008.164483.
    2. Peterson MD, Sen A, Gordon PM. Influence of resistance exercise on lean body mass in aging adults: a meta-analysis. Medicine & Science in Sports & Exercise. 2011;43(2):249–258. doi:10.1249/MSS.0b013e3181eb6265. Kostenloser Volltext.
    3. Fragala MS, Cadore EL, Dorgo S, et al. Resistance Training for Older Adults: Position Statement From the National Strength and Conditioning Association. Journal of Strength and Conditioning Research. 2019;33(8):2019–2052. doi:10.1519/JSC.0000000000003230.
    4. Izquierdo M, Merchant RA, Morley JE, et al. International Exercise Recommendations in Older Adults (ICFSR): Expert Consensus Guidelines. The Journal of Nutrition, Health & Aging. 2021;25(7):824–853. doi:10.1007/s12603-021-1665-8. Kostenloser Volltext.

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